Metronom

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Mit dem Thema «So klingt Heimat» setzt sich die Kammermusik-Reihe des Luzerner Sinfonieorchesters auseinander. Den Anfang machte am Sonntag ein Werk von Ligeti. Aber nicht Musiker bestritten das Stück, sondern ganze einhundert Metronome. Ein buchstäblich gelungener Auftakt.

Eliya Livas Autor/in:
Eliya Livas

György Ligetis Musik verbindet dieser Tage Kunstschaffende am Luzerner Theater: So gibt das LSO momentan Vorstellungen der musikalisch anspruchsvollen Oper «Le Grand Macabre» (zentralplus berichtete). Für einmal dirigierte Clemens Heil jedoch keine Musiker, sondern gab den Impuls für ein Konzert der Metronome: Ein Ticken und Klacken erfüllte den Raum im Foyer des Luzerner Theaters.

So entstanden immer neue rhythmische Überlagerungen und Akzente. Ein Metronom nach dem andern verstummte, bis endlich nur noch ein einziges Metronom tickte. Ligeti nannte sein Werk «Poème symphonique» (1962) – und löste mit seiner Uraufführung einen Skandal aus. Diesen Sonntag klatschten jedoch alle höflich und schmunzelnd.

Musiker sind Kuratoren

Eingestellt wurden die Metronome von Leuten aus dem Publikum. Dies steht bildhaft für das Konzept der Kammermusik-Reihe: Die intime Gattung Kammermusik rückt Publikum und Ausführende des LSO näher zueinander. In diesem Fall waren die Musiker selbst die Kuratoren.

Das Programm von «So klingt Heimat» hat Violinist Julian Fels akribisch ausgearbeitet: Sämtliche Komponisten haben sich mit Musik aus der Heimat beschäftigt. Patriotisch, musikethnologisch, identitätssuchend, fremd – die Palette ist so breit wie die unterschiedlichen Definitionen von Heimat.

Eingestellt wurden die Metronome von Leuten aus dem Publikum.
Eingestellt wurden die Metronome von Leuten aus dem Publikum. (Bild: eli)

Energie und Präzision

An diesem späten Sonntagmorgen erklangen nebst Ligeti Werke von Schumann, Janáček und Bartók. Romantik traf also auf das 20. Jahrhundert und bot eine interessante Mischung. Auf Ligeti folgten Robert Schumanns «Märchenerzählungen» op. 132 von 1853. Die Besetzung – Klarinette, Viola und Klavier – ist eher selten.

Stojan Krkuleski (Klarinette), Patrizia Pacozzi (Violine) und Paul Suits (Klavier) spielten mit beeindruckender Energie und Präzision. Einzig subtilere Stellen wie etwa im Adagio «mit zartem Ausdruck» hätten stärker berücksichtigt werden können. Das hätte Raum für nuancierte Eindringlichkeit und Intimität geschaffen.

Viel Schalk

Auf Schumann folgten Leoš Janáčeks «Kinderreime» aus dem Jahr 1925. Janáčeks Auseinandersetzung mit den Rhythmen der tschechischen Sprache fand Eingang in sein Opernschaffen. In den «Kinderreimen» war davon im vokalen Teil eher wenig zu bemerken: Sie beruhen auf der einfachen Struktur von Spruchversen. Gesungen wurden diese mit viel Schalk von der russischen Sopranistin Diana Schnürpel.

Der Gesang wurde dafür umso mehr vom instrumentalen Part kommentiert – musikalisch fand dort Abenteuerliches statt. Stojan Krkuleski und Paul Suits Spiel war passend und hintergründig. Durch teilweise weichere Interpretation hätte dabei etwas mehr kontrastiert werden können.

Sie hinterliessen ein begeistertes Publikum am Matinée-Konzert im Luzerner Theater.
Sie hinterliessen ein begeistertes Publikum am Matinée-Konzert im Luzerner Theater. (Bild: eli)

Ein begeistertes Publikum

Ihr ganzes Können zeigten Krkuleski, Pacozzi und Suits im Stück von Béla Bartók: Mit viel Virtuosität gelang es ihnen, Bartóks Musik zu sprühendem Leben zu erwecken. Bartóks «Contrasts» (1938) bildete dabei den passenden Rahmen für die Matinée: Ligeti wollte ursprünglich bei Bartók studieren, der aber vorher verstarb.

«Contrasts» zeugt von der intensiven Auseinandersetzung mit der heimatlichen Volksmusik. Auch Jazz- und Swing-Klänge fliessen in Bartóks Kammermusik mit ein. Das Stück erzählt von Krieg und Frieden und wurde 1939 in New York von Bartók, Joseph Szigeti und dem Klarinettisten Benny Goodman uraufgeführt.

Aufnahmen von ebendiesem Benny Goodman hätten Stojan Krkuleski in seiner Jugend zum Studium der Klarinette bewogen, erzählte er in der Einführung verschmitzt. Ein Glück – denn sein gefühlvolles Klarinettenspiel und die packende Energie von Patrizia Pacozzi und Paul Suits hinterliessen ein begeistertes Publikum. Und überzeugte vielleicht noch mehr Leute, feinste Kammermusik zum Sonntagsbrunch zu geniessen.

Nächste Matinée des LSO: Sonntag, 12. November, 11 Uhr, Foyer Luzerner Theater

Ein Metronom nach dem anderen verstummte – und alle klatschten.
Ein Metronom nach dem anderen verstummte – und alle klatschten. (Bild: eli)

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