Politiker Trauern Parteiübergreifend: Heiner Geißler Der Streitbare Schlichter

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Dort hatte der Sozialpolitiker, Streitschlichter, Buchautor und vielgesuchte Interviewpartner in den vergangenen Jahrzehnten gelebt. Politiker aller großen Parteien würdigten Geißler, der im Lauf der Zeit den Wandel vom scharfzüngigen CDU-Generalsekretär zum Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerks Attac vollzogen hatte und auch die eigene Partei nicht schonte.

Die politische Karriere des promovierten Juristen und einstigen Amtsrichters hatte in Rheinland-Pfalz begonnen. Unter den Ministerpräsidenten Peter Altmeier und Helmut Kohl (beide CDU) war er von 1967 bis 1977 Sozialminister des Landes, anschließend wurde er CDU-Generalsekretär. In dieser Funktion wusste er mit mancher scharfzüngigen Äußerung zu polarisieren.

Kohl machte Geißler 1982 zum Familienminister. Der Sozialexperte arbeitete an einem neuen Image der CDU als moderne Programmpartei und führte unter anderem ein Erziehungsgeld ein. 1989 kam es wegen Differenzen über den Kurs der Partei zum Bruch zwischen Geißler und Kohl, der im Juni ebenfalls im Alter von 87 Jahren starb. Bis zuletzt äußerte sich der verheiratete Vater dreier Söhne zu aktuellen politischen Themen. So kritisierte Geißler etwa noch im März die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Klöckner, weil diese Reformen an den Hartz-Gesetzen abgelehnt hatte.

Die fünf besten Zitate von Heiner 

Geißler

In seiner beeindruckenden politischen Karriere, hat Geißler mit starken Aussagen und direkten Worten

  • "Lügen haben kurze Beine, kürzer sind dem Vogel seine." (am 22. November 1988 im Bundestag über den damaligen SPD-Parteivorsitzenden Hans-Jochen Vogel)
  • "Der Pazifismus der 30er Jahre [...] hat Auschwitz erst möglich gemacht." (am 15. Juni 1983 im Bundestag)
  • "Der Kapitalismus ist genauso falsch wie der Kommunismus." (am 14. Juli 2008 in einem Interview auf "SZ.de")
  • "Wenn ich in der Nähe von Goebbels bin, ist der Playboy das Mitteilungsblatt des Vatikans." (am 3. August 2011 in der "Passauer Neuen Presse"; als Stuttgart-21-Schlichter hatte Geißler den Satz "Wollt ihr den totalen Krieg?" gesagt, ein NS-Zitat, das auf heftige Kritik stieß)
  • "Es gibt Geld wie Heu, es ist bloß in den Händen der falschen Leute!"

Parteiübergreifende Trauer um den Verstorbenen:

Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel: "Heiner Geißler war einer der markantesten Köpfe unserer Partei: Intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst. Auch die eigenen Reihen, die eigene Partei schonte er nicht mit offenen Worten, wenn er dies für nötig hielt – beispielsweise bei der Durchsetzung der neuen Frauenpolitik der CDU. Dieses Rückgrat, diese politische Unabhängigkeit bewahrte er sich stets."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD): "Er war mit einer Leidenschaft Politiker und mit einer Hingabe Mitgestalter unseres Gemeinwesens, die selten zu finden waren und sind (...) Dass er im demokratischen Streit gelegentlich seine polemische Begabung einzusetzen wusste, hat ihm Ärger eingebracht, aber letztlich oft zur Klärung politischer Fragen beigetragen."

"Er hatte stets die Schwachen und Minderheiten im Blick"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): "Mit Heiner Geißler verliert die deutsche Politik einen klugen, streitbaren Kopf, der keine Kontroverse scheute und den Debatten wichtige neue Impulse gab (...) Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik meldete er sich immer wieder meinungsstark zu Wort und erwarb sich auch als Schlichter in Tarifkonflikten und bei Stuttgart21 große Verdienste."

CDU-Vorsitzende von Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner: "Über Parteigrenzen hinweg wurde Heiner Geißler als kluger und streitbarer Kopf und auch Querdenker geachtet - dabei hatte er stets die Schwachen und Minderheiten im Blick. (...) Die Menschen werden seine offene, suchende und auch direkte Art vermissen."

"Mit Heiner Geißler starb einer der profiliertesten Politiker der deutschen Nachkriegszeit"

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir: "Mit Heiner Geißler verlieren wir einen echten Freigeist, der zu seiner politischen Haltung immer auch gegen Widerstände stand. Er war ein kluger Demokrat, der die Politik über Jahrzehnte geprägt hat. Wir Grüne hatten es nicht immer leicht mit ihm, seine scharfe Kritik an der Friedensbewegung ist uns noch in Erinnerung. Doch mit dem Alter wurde Heiner Geißler versöhnlicher."

Linke-Politiker Oskar Lafontaine: "Mit Heiner Geißler starb einer der profiliertesten Politiker der deutschen Nachkriegszeit. Er fühlte sich zeit seines Lebens der christlichen Soziallehre verpflichtet. Wie kaum ein anderer kritisierte er die Fehlentwicklungen des globalen Kapitalismus. Er wird uns fehlen."

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