Bundestagswahl 2017: Schulz Und Merkel Haben Viele Gemeinsamkeiten

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Der Herausforderer stellt vom Typus her keine Alternative zur Amtsinhaberin da. Auch deshalb kommt keine Wechselstimmung auf.

Tatsächlich gibt es bei den beiden Spitzenkandidaten einige Gemeinsamkeiten. So war das allenfalls im Wahlkampf 2009 zu beobachten, als Frank-Walter Steinmeier für die SPD antrat. Gerhard Schröder dagegen war 2005 das komplette Kontrastprogramm zu Merkel: kraftstrotzend, mit einigem Imponiergehabe, bisweilen pöbelnd und auch herablassend. Peer Steinbrück 2013 kam eher schnoddrig und bisweilen arrogant daher. Von ihrem Auftreten her waren beide das Gegenmodell zu Merkel, was der SPD allerdings auch nicht zum Erfolg verhalf. Nun also versucht es Schulz, indem er sich als seriöser Deutschland-Verwalter inszeniert.

Eskapaden traut man ihm ebenso wenig zu wie Merkel

Der 61-jährige ist bodenständig, bieder. Irgendwelche Eskapaden traut man ihm ebenso wenig zu wie Merkel. Er wirkt zumindest uneitel, auch wenn er durchaus wert darauf legt, dass er gut in Szene gesetzt wird. Und Schulz ist höflich – von seiner Grundstruktur her jedenfalls, weshalb seine Attacken auf die Kanzlerin eher pflichtschuldig und einstudiert wirken. Außerdem ist er kein begnadeter Redner - ebenso wie Merkel. Er muss mehr auf die Kraft seiner Argumente vertrauen als darauf, Emotionen zu wecken. In der Rückschau wirken die Jubelszenen rund um seine Nominierung darum erst recht wie eine Inszenierung. Wenn er selbst tatsächlich einmal emotional wird, dann in Momenten, in denen es um seine Vita geht, wie bei seinem jüngsten Auftritt im ZDF, als er daran erinnerte, dass er als jüngstes von fünf Kindern wisse, was Erziehungsarbeit für seine Mutter bedeutet habe.

Von Merkel ist nur eine Szene bekannt, in der ihr die Tränen kamen. Das war 1995, als sie in der Rolle der Bundesumweltministerin im Kabinett von Helmut Kohl das Gesetz zur Bekämpfung von Sommersmog nicht durchsetzen konnte. Ansonsten lässt sich die Bundeskanzlerin selten hinter die Fassade blicken. Gesprächspartner können zwar an einem skeptisch verzogenen Mund erkennen, wenn Merkel eine Äußerung unpassend findet. Öffentlich aus der Fassung gebracht hat sie allerdings niemand. Selbst als Gerhard Schröder sie am Wahltag 2005 in der so genannten Elefantenrunde anblaffte, sie glaube doch wohl nicht ernsthaft, seine Partei werde mit ihr eine Regierung bilden, versteckte sie sich hinter ihrem Pokerface. In der Union hält sich bis heute die Erzählung, dass Merkel durch diesen Angriff erst Kanzlerin werden konnte. Denn danach sei es für jeden potentiellen Konkurrenten in der CDU unmöglich gewesen, ihr aufgrund des mageren Wahlergebnisses die Führungsrolle streitig zu machen.

Beide lernten das Argumentieren zu Hause

Durchaus ähnlich sind sich Schulz und Merkel, wenn es um die Frage der Streitkultur geht. Beide erlebten in ihren Elternhäusern die kritische Auseinandersetzung. „Bei uns zu Hause haben wir ständig diskutiert, viel über Politik. Mein Vater war eher Sozialdemokrat, meine Mutter hatte den CDU-Ortsverein mitgegründet“, sagt Schulz über sich selbst. „Es war nicht leicht, sich als Jüngster gegen sie und meine vier Geschwister durchzusetzen. Deswegen musste ich früh lernen, wie man schlagfertig ist, wie man argumentiert und auch Allianzen schmiedet. Mein Elternhaus hat mir Politik zugänglich gemacht.“

In Angela Merkels Zuhause wurde der Diskurs ebenfalls sehr geschätzt, wenn er in dem Pfarrershaushalt in der DDR auch nicht direkt politisch ausfiel. Vater Horst Kasner wird ein hohes intellektuelles Niveau attestiert. Klare Analyse und kluge Argumentation verlangte er auch stets von seinen Kindern, insbesondere von seiner Tochter. Merkels Biographen sind sich einig, dass eine enge Beziehung zum Vater bestand, die verbunden war mit dem Bestreben, seinen Ansprüchen zu genügen. Diese Schule schärfte ihren Verstand. Die daraus resultierenden Fähigkeiten in der politischen Auseinandersetzung kamen allerdings erst später zum Tragen. Als Jugendliche und junge Erwachsene hielt Merkel sich bewusst von der Politik fern. Erst zu Wendezeiten begann ihr Engagement – zunächst im Demokratischen Aufbruch. Da war sie schon 35 Jahre alt. Schulz dagegen trat schon mit 19 in die SPD ein.

Keine Ausflüge in die Welt des Glamours

Liegen sie in dem Punkt auch auseinander, so sind sich Kanzlerin und Kandidat wiederum darin ähnlich, dass sie privat die Öffentlichkeit scheuen. Von Schulz und seiner Ehefrau Inge gibt es nur wenige Bilder. Die gelernte Landschaftsarchitektin hält sich ebenso im Hintergrund wie Joachim Sauer, der Chemie-Professor und Ehemann von Merkel. Wenn es gemeinsame Auftritte gibt, dann zu offiziellen Anlässen.

So war Inge Schulz dabei, als ihr Mann der Karlspreis erhielt. Joachim Sauer begleitet seine Frau regelmäßig zu den Bayreuther Festspielen und zu kulturellen Anlässen wie der Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg. Ansonsten ist das Privatleben tabu. Keine Bilder von persönlichen Aktivitäten, erst recht keine Homestories. Allenfalls die jährlich wiederkehrenden, sich absolut ähnelnden Aufnahmen vom Wanderurlaub in Südtirol. Ausflüge in die Welt des Glamours gibt es bei beiden Paaren nicht. Und beide strahlen aus, dass ihnen das in keiner Weise fehlt. Extravaganz passt weder zu Merkel noch zu Schulz.

Es gibt also – bei vielen Unterschieden in der Sache - eine Reihe von Punkten, in denen sich Amtsinhaberin und Herausforderer durchaus ähnlich sind. Doch, folgt man den Umfragen, hilft das Martin Schulz nicht. Er hätte aus dem „Dschungelbuch“ lernen können. King Louie kommt auch nicht zu mehr Macht, weil er sein will wie Mogli, wie „Duhuhu“.

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